Angebote

  • Leseweisung:

Die Maßnahme wird an der Hochschule München durchgeführt. Die Durchführung  erfolgt auf der Grundlage einer jugendrichterlichen Anordnung oder auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft. Der Anordnung liegt in aller Regel eine Empfehlung der zuständigen Jugendgerichtshilfe/Jugendhilfe im Strafverfahren zugrunde. Im Rahmen eines ausführlichen Erstgesprächs suchen sich die Jugendlichen aus einer größeren Zahl von Vorschlägen Bücher aus, die zu ihren Interessen und/oder Problemlagen passen (Überblick über Themenbereiche). In Abhängigkeit vom angeordneten Umfang der Maßnahme lesen die Jugendliche eines oder mehrere der ausgewählten Bücher. Die Lektüre erfolgt nach Möglichkeit zuhause, kann aber bei Unterstützungsbedarf auch an die Hochschule verlagert werden. In bis zu sechs, manchmal auch mehr Gesprächsterminen spricht der oder die Jugendliche im Verlauf der Maßnahme mit einem persönlichen Mentor oder einer Mentorin über die gelesenen Bücher unter Herstellung von Bezügen zum eigenen Leben bzw. eigenen Erfahrungen. Ziel der Maßnahme ist es unter anderem, die Jugendliche zum Nachdenken anzuregen, Bildung zu fördern und Interesse am Lesen zu wecken. Die Maßnahme schließt mit einer Abschlussarbeit ab, in der die Inhalte der Bücher und Gespräche in unterschiedlichen kreativen Formen (z.B. Kurzgeschichten, Plakate, Raps oder Buchobjekte) verarbeitet werden.

Über 1.500 Jugendliche wurden seit Beginn des Projekts von Jugendrichtern oder Staatsanwälten zur Teilnahme am Leseprojekt verpflichtet. Fast alle Jugendlichen haben die Maßnahme erfolgreich abgeschlossen, darunter auch viele, die sich mit dem Lesen aus unterschiedlichen Gründen schwer tun.

  • Lesegruppen:

Die Lesegruppen finden in den Jugendarrestanstalten München und Landshut sowie vereinzelt mit jungen Untersuchungshäftlingen in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim statt. Jede Lesegruppe wird von einem zweiköpfigen Studierendenteam vorbereitet und gemeinsam mit bis zu sechs Arrestanten abgehalten. Das Angebot setzt sich aus zwei zweistündigen Terminen zusammen, in denen gemeinsam Texte (zumeist Romanauszüge oder Kurzgeschichten)  gelesen und besprochen werden. Die Teilnahme der Jugendlichen am Projektangebot erfolgt auf freiwilliger Basis. Aktuell können jährlich über 100 Lesegruppen und weitere Gruppenangebote in den Jugendarrestanstalten München und Landshut realisiert werden. Möglich wurde dies dadurch, dass neben Studierenden der Hochschule München inzwischen auch zahlreiche Studierende der Ludwig-Maximilians-Universität München im Projekt mitwirken. Hoch ist der Anteil der Jugendlichen, die sich positiv über die Gruppen und die Zusammenarbeit mit den Studierenden äußern. Umgekehrt schätzen die Studierenden die gemeinsame Arbeit mit den Teilnehmer*innen der Gruppen sehr und berichten regelmäßig über engagierte Diskussionen in den Gruppen.

  • Programm für Schulverweigerer im Jugendarrest:

Durch Teilnahme an einem speziellen Lektüreprogramm können sich Schulverweigerer in der Jugendarrestanstalt München seit 2013 eine Verkürzung ihrer Haftzeit erarbeiten. Programmbestandteile sind die Bearbeitung eines Textreaders, die selbständige Lektüre eines thematisch passenden Buches aus dem KonTEXT-Bestand sowie die anschließende Besprechung des Buches mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin aus dem KonTEXT- Team. Mehrere Hundert Jugendliche haben dieses Angebot bislang genutzt.

  • Arrest-Bücherei:

Zweimal wöchentlich können sich die Jugendlichen in der Jugendarrestanstalt München Bücher aus der KonTEXT-Bücherei ausleihen. Der Ausleihservice wird vor Ort vom KonTEXT-Team betrieben. Die projekteigene Bücherei wurde bereits in den ersten zwei Jahren ihres Bestehens von knapp 1.000 Jugendlichen genutzt, die in dieser Zeit insgesamt fast 3.000 Bücher ausgeliehen haben.

  • Textwerkstätten:

Seit einigen Jahren erhalten Jugendliche in der Jugendarrestanstalt München auch die Möglichkeit, Leseeindrücke oder sonstige Themen im Rahmen von zweistündigen Schreibwerkstätten zu verarbeiten. Von den Gruppenteilnehmer*innen werden diese Gruppenangebote ähnlich positiv beurteilt wie die Lesegruppen

  • „Bildungsmaßnahmen „Gegen Ausgrenzung. Für Toleranz“:

In vier zweistündigen Terminen werden Bücher vorgestellt und besprochen, die sich in besonderer Weise zum Abbau von Vorurteilen und zur Förderung von toleranten Einstellungen eignen. Das methodische Vorgehen dieses auf die Jugendarrestanstalt München beschränkten Angebots entspricht dem der Lesegruppen. Durch die höhere Zahl von Gruppenterminen ergeben sich jedoch zusätzliche inhaltliche und methodische Gestaltungsmöglichkeiten.